Vier Rennen, vier Siege und dazu noch Gold mit dem Schweizer Team - Marco Odermatt erlebt in Davos beispiellos erfolgreiche Junioren-Weltmeisterschaften. Der 20-Jährige aus Buochs triumphierte am Dienstag auch in seiner Spezialdisziplin Riesenslalom überlegen.


«Nach all den Speedrennen, den Feiern und Glückwünschen an den Tagen zuvor war es enorm schwierig, für den Riesenslalom nochmals die richtige Spannung aufzubauen. Die Erleichterung ist riesengross, dass es trotzdem wieder aufging», sagte Odermatt, der an den Tagen zuvor am Jakobshorn schon Abfahrts-, Super-G- und Kombinations-Gold gewonnen hatte.

Nach dem ersten Riesenslalom-Lauf lag der Nidwaldner («Ich fühlte mich nicht wirklich wohl.») als Zweiter noch um 0,06 Sekunden hinter dem führenden Österreicher Fabio Gstrein zurück. Erst nach einem kurzen Nickerchen im Hotel und ein paar lockeren Schwüngen beim Einfahren hatte Odermatt den Kopf für den entscheidenden Durchgang wieder frei: «Ich nahm mir vor, den Lauf einfach zu geniessen.»

Geerdet und bescheiden

Das war der Schlüssel zum neuerlichen Sieg, wie auch Swiss-Ski-Nachwuchschef Beat Tschuor fand: «Marco ist eine geerdete, bescheidene Person mit grosser mentaler Stärke. Er wusste genau, was es in einer solchen Situation braucht - eine grosse 'Kopfgeschichte', dass das so aufging.» Am Ende seines letzten Renntages in Davos lag Odermatt, 2016 in Sotschi schon Junioren-Weltmeister im Riesenslalom, nach deutlicher Laufbestzeit gleich um 0,97 Sekunden vor Gstrein.

Als Zückerchen für seine Top-Leistungen der letzten Tage wird Odermatt Mitte März am Weltcup-Finale in Are teilnehmen. Auf der Piste, wo im Februar 2019 auch die WM der Grossen stattfinden wird, ist der Swiss-Ski-Youngster gleich in drei Disziplinen startberechtigt. «Das tönt gut, beim Finale fahren zu dürfen. Ich werde Vollgas geben, um möglichst auch im Weltcup wieder einmal ein Erfolgserlebnis zu haben", so Odermatt, der seit seiner im Januar 2017 erlittenen Verletzung im linken Knie (Meniskusschaden) auf oberster Stufe nie mehr punkten konnte. Er sei sich durchaus bewusst, «dass vor mir noch ein weiter Weg liegt».

Inmitten der alpinen Prominenz

Hingegen auf Stufe Junioren-WM liegt nur noch ein Trio vor Odermatt. Erfolgreichste Teilnehmer waren Ende der Achtzigerjahre die Österreicherin Sabine Ginther und von 2012 bis 2015 der Norweger Henrik Kristoffersen, die beide neben sechs (Einzel-)Titeln noch zwei Silbermedaillen holten. Die Deutsche Maria Höfl-Riesch ihrerseits sicherte sich im Nachwuchs bei gleich vier WM-Teilnahmen neun Medaillen, fünf davon in Gold.

Aus Schweizer Perspektive überholte der Buochser, der nur zweimal an Junioren-Titelkämpfen dabei war, Daniel Albrecht (2003 in Frankreich mit dreimal Gold und einmal Silber) sowie Beat Feuz (2007 in Zauchensee mit ebenfalls dreimal Gold sowie einmal Bronze). Sowohl der Walliser wie auch der Berner - beide später auch bei Elite-Weltmeisterschaften zuoberst auf dem Podium - gewannen jedoch den Kombi-Titel aufgrund der zusammengezählten Resultate in Abfahrt, Riesenslalom und Slalom.

Quelle: Swiss-Ski

 

Weitere Zentralschweizer Medaillen

Semyel Bissig vom Skiclub Beckenried-Klewenalp, geht bei den Erfolgen von Marco Odermatt beinahe unter. Aber auch er kann auf eine erfolgreiche Junioren Weltmeisterschaft zurückblicken. In der Abfahrt verpasst er das Postest als Vierter gänzlich knapp. Im Teamevent überzeugte Semyel mit starken Läufen und durfte sich zusammen mit Aline Danioth und Marco Odermatt die Goldmedaille umhängen lassen. In der alpinen Kombination klappte es doch noch mit der Medaille, der Nidwaldner durfte als Zweiter auf das Podest steigen. Im Riesenslalom belegte er nach dem 1. Lauf Rang fünf. Leider schied er im zweiten Lauf aus. Besser sollte es Semyel im Slalom laufen. Nach Halbzeit auf dem 3. Rang liegend, gelang ihm keinen perfekten zweiten Lauf und viel auf den 5. Rang zurück.  

Die Urnerin Aline Danioth gewann an den diesjährigen Junioren Weltmeisterschaften Gold in der alpinen Kombination, Bronze im Slalom und war ebenfalls beim Team Event dabei, als die Schweiz zu Oberst auf das Treppchen steigen durfte. Besonders stolz sei sie über die Goldmedaille in der alpinen Kombination. Nach dem Sturz im Spezial Super-G einen Tag zu vor, zweifelte sie gar an einem Start in der Kombination. Glücklicherweise entschied sich Aline für den Start. Nach dem Slalom in Führung liegend, konzentrierte sie sich auf das Skifahren und überwindete ihre Ängste. Trotz einem schlechten Fahrgefühl im Super-G, leuchtete die Anzeigetafel im Ziel grün und Aline darf sich wie schon 2016 Junioren Weltmeisterin in der alpinen Kombination nennen.

Aline Danioth:  Bild Manuel Lopez

Marco Odermatt

 

Odermatt und Bissig

 

Team Schweiz